Samstag, 24. April 2010

Dating Pt 31 - Fernweh

Wer kann von sich behaupten, dass er sich noch nie im Urlaub verliebt hat?

Es ist bestimmt jedem schonmal passiert. Ein anderes Land, eine andere Kultur, andere Männer... kann sehr verlockend sein.

Für Isabelle war Carlos mehr als ein kleiner Urlaubsflirt. Er war die Erfüllung ihrer Träume.

Von der Schweiz hatte sie schon lange die Schnauze voll. Mit der Liebe wollte es nie so recht klappen. Ihr Heimatland war nur für eines gut; um Geld zu verdienen, damit man möglichst schnell wieder abhauen konnte. Isabelle brauchte keinen hohen Lebensstandart. Sie konnte gut wochenlang mit einem Fahrrad und Zelt im Gepäck überleben. Hauptsache sie hatte ihren Frieden. Hier falle ihr das Dach auf den Kopf. Die vielen Regeln, argwöhnische und kalte Menschen und überhaupt das Wetter trieben sie in den Wahnsinn. Isabelle ist ein Freigeist. Und sie liebt das Meer. Es war irgendwie klar, dass sie früher oder später die Karibik für sich entdecken würde. Und Carlos.

In der Dominikanischen Republik liefen die Uhren etwas anders. Isablle übrigens auch. Hier konnte man ganz Frau sein und sich dementsprechend bewegen. Etwas mehr Rundungen waren sehr erwünscht. Hier ist Frau noch Frau. Körperkontakt beim Tanzen ist normal und Drinks in der Sonne gehören zum Alltag. Kurz; Isabelle fühlte sich sehr wohl. Sie reist übrigens immer alleine. Ist unkomplizierter und weniger nervig. Man kann selber entscheiden, wenn man genug hat und weiterziehen. Aber hier am Strand war das Leben einfach perfekt. Die Leute waren viel offener. Es dauerte nicht lange, da fand Isabelle schon einheimischen Anschluss. Sie war jeden Abend bei einer anderen Familie zum Abendessen eingeladen und dankte es jeweils mit einer Flasche Rum. Hier brauchte es nicht viel um eine gute Party zuhaben; Alkohol und eine alte Stereoanlage im Wohnzimmer mit der richtigen Musik genügte und sofort war die ganze Nachbarschaft am Start und feierte feucht-fröhlich bis in die frühen Morgenstunden.

An so einer Hausparty kreuzte plötzlich Carlos auf. Er schien etwas jünger zu sein als Isabelle, aber ein Traum von einem Mann. Gross und stark gebaut mit schneeweissem Lächeln und einer Ausstrahlung, die selbst die keuscheste Frau in Wallungen brachte. Offenbar machte sich in der Nachbarschaft schon das Gerücht breit, dass eine Ausländerin zu Gast war. Dies jedenfalls erzählte ihr Carlos. Er wollte nur eben mal vorbeikommen und die Ausländerin anschauen. Er konnte ja nicht wissen, dass sie so wunderhübsch sei.... sagte er und prostete ihr zu. Isabelle war sofort im siebten Himmel. Ein Flirt auf der Insel würde den ganzen Aufenthalt perfekt machen...

Aber wie bereits erwähnt war Carlos mehr als ein Flirt. Die Nacht endete für Isabelle und Carlos knutschend im Sand direkt am Meer. Von nun an ging sie bei seiner Familie ein und aus. Schlussendlich checkte sie aus dem Hotel aus, verschob ihren Flug um 3 Wochen und nistete sich bei ihm ein. Die im Verhältnis zur Schweiz niederen Lebensbedingungen machten ihr nichts aus. Duschen lag maximum einmal im Tag drin, wenn genug Wasser da war. Insekten störten sie nicht und das Schnarchen von Carlos' Mutter, dass jede Nacht laut hörbar durch den Vorhang (Türe zu seinem 'Schlafzimmer' = Fehlanzeige) drang, war normal. So ist das Leben nun mal hier. Man (oder Isabelle) kann sich an fast alles gewöhnen. Je mehr Tage vergingen, desto eher war sich Isabelle sicher, dass hier ihre Zukunft liegt. Es war nur eine Frage der Zeit, alle Dinge in der Schweiz zu regeln, das Geld zusammenzukratzen und abzuhauen. Carlos und Isabelle waren für einander bestimmt.

Kurz vor ihrer Abreise schenkte er ihr einen Ring. Ein Symbol für ihre Verbundenheit. Der Ring färbte zwar beim Duschen ab, aber das war Isabelle egal. Sie wusste, wenn sie zurückkommen würde, würden sie heiraten. So hatten sie es abgemacht.

Von Sehnsucht getrieben, arbeitete Isabelle zurück in der Schweiz wie eine Verrückte, um möglichst viel Geld auf die Insel mitzunehmen. Vielleicht würde es reichen für ein eigenes kleines Haus oder eine Wohnung. Sie telefonierte täglich mit Carlos und liess ihn über die Fortschritte der Ersparnisse wissen. In spätestens sechs Monaten würde es soweit sein. Carlos schwor ihr die ewige Liebe und konnte es kaum erwarten bis sie wieder da sei.

Etwas später buchte Isabelle den Flug. Noch 4 Wochen! Langsam wurde es hektisch. Das mit dem Abmelden stellte sich komplizierter aus, als sie es sich erhoffte. Man muss in der Tat an furchtbar viele Dinge denken, wenn man auswandern möchte. Sie rief Carlos an um ihm mitzuteilen, dass sie den Flug gebucht hatte. Doch dieser nahm das Telefon nicht ab. Auch am nächsten Tag nicht. Sie ringte einfach durch. Richtig! Er hatte ihr gesagt, dass er aufs Land fahren müsse, um einem Onkel auf dem Feld zu helfen. Isabelle hinterliess eine Mitteilung bei der Familie. Eine Woche später hatte sie immer noch nichts von Carlos gehört. Sie versuchte vergeblich, ihn auf seinem Handy zu erreichen. Einige Tage später vermeldete eine Telefonstimme, dass dieser Anschluss nicht mehr in Betrieb sei. Isabelle verstand die Welt nicht mehr. Bei seiner Familie nahm ebenfalls niemand mehr ab. Sie blieb aber hartnäckig und versuchte es mehrmals pro Tag. Erfolglos.

Der grosse Tag war gekommen. Und Carlos war wie vom Erdboden verschluckt. Er meldete sich nicht. Kein Kommunikationskanal drang zu ihm durch. Nicht mal E-Mail funktionierte.

Isabelle stieg also in das Flugzeug. Sie war sich sicher, dass alles nur ein grosser Irrtum gewesen sein muss und Carlos sie am Flughafen abholen würde. Doch das tat er nicht. Sie fuhr mit dem Taxi zu seiner Familie. Nana, seine Mutter sass auf der Terasse im alten Schaukelstuhl. Verwundert starrte sie Isabelle an, die plötzlich vollbeladen mit drei Kisten und zwei Koffer in ihrem Garten stand. Da war irgendwie keine Wiedersehensfreude in ihrem Gesicht geschrieben sondern nur Verwunderung.

Carlos hatte eine Kanadierin geheiratet und sei vor einem Monat nach Kanada gezogen.

Salud!

Samstag, 17. April 2010

Dating Pt 30 - Der weinende James Dean

... und nochmals X!

So sah er aus. Die junge Antwort auf James Dean. Mit dieser geschwungenen, lockeren Haarwelle. Diese war aber nicht mit Gel festgeklebt. Nein, die fiel ganz locker. Britta fand dies faszinierend. Sie musterte James Dean von der Seite. Lässig stützte er sich auf der Bar auf und verlangte nach einem Bier. Er hatte etwas raues an sich. Männlich sah er aus. Und selbstsicher. Selbstsicher genug, um ihr ungefragt ebenfalls ein Bier zu bestellen.

Das Konzert war in vollem Gange, aber James Dean zog es vor, mit Britta an der Bar über Gott und die Welt zu sprechen. Und Britta zog es vor, sich diese Gelegenheit nicht entgehen zu lassen. Die Konzertkarten waren zwar teuer, aber die Haarwelle hatte es ihr angetan. Es fühlte sich weniger nach Flirt an, als vielmehr nach einer sofort dagewesenen Vertrautheit.

James Dean Junior ist eigentlich Receptionist. Er mag die gleiche Musik wie Britta und ist leidenschaftlicher Hobbykoch. Spontan lädt er sie ein, seine Kochkünste bei der nächsten Gelegenheit zu probieren. Zur Verabschiedung gibt er ihr einen schüchternen Kuss auf die Wange. Vielversprechende Aussichten!

Für Britta war es einer dieser Abende, an denen man beschwingt, vor sich hinsummend nach Hause kommt, glücklich und neugierig auf das was kommen möge. Man könnte es auch erste Verknalltheit nennen. James Dean entpuppt sich als echter Charmeur und wünscht ihr per SMS noch eine gute Nacht. JACKPOT!

In der darauffolgenden Woche schaut Britta spontan im Hotel vorbei und muss sich ein Lachen verkneifen, als sie ihn da so stehen sieht in seiner Uniform, die Haare streng nach hinten gekämmt. Er sieht aus wie verkleidet. Im Personalraum trinken die beiden einen Kaffee und unterhalten sich wiederum prächtig. Es lag also nicht am Bier, soviel wusste Britta nun. Sie war sich nun sicher, dass das Koch-Date kein Reinfall werden würde.

Wurde es nicht! Im Gegenteil! James Dean besass diese gute Mischung aus Macho, Charmeur und Gentleman. Er verwöhnte Britta nicht nur mit seinem köstlichen Essen. Er deckte den Tisch wunderschön, kaufte Rosen, schob ihr den Stuhl zurecht, schenkte Wein ein und forderte sie nicht auf abzuwaschen. Das Date war nicht zu übertrumpfen! Die Konversation und sein Verhalten war eindeutig; dies war eine ernste Angelegenheit. Beziehungsweise entwickelte sich zu einer ernsten Sache. Ganz Gentleman fuhr er sie danach nach Hause und verabschiedete sich wiederum mit einem Kuss. Diesmal auf den Mund. Allerdings nicht forsch, sondern eher so, dass sie mehr wollte, er sich dem aber entzog.

Zwei weitere Dates folgten. Wiederum ganz seriös. Britte wurde langsam unruhig. Zwar redeten sie nicht darüber was aus ihnen werden sollte, aber seine Sprache war unmissverständlich. Er hielt ihre Hand, umarmte sie und küsste sie. Waren sie schon zusammen? Sie waren an diesem Punkt des Kennenlernens angekommen, bei welchem man nicht so genau weiss, ob man nun liiert ist oder nicht. Aber es fühlte sich richtig an.

Es fühlte sich so gut an, dass Britta beschloss die Initiative zu ergreifen. Nach 5 Dates war nun definitiv die Zeit gekommen, wo man die Beziehung auf das nächste Intimitätslevel heben konnte. James Dean war auch hier Gentleman. Britta glaubte schon im Himmel angekommen zu sein, als Dean nach dem Sex plötzlich anfing zu schluchzen. Nicht ein verstohlenes Schniefen - es war ein lautes Schluchzen. Mit Tränenbächen. Oh mein Gott, was war geschehen?

Behutsam nahm sie ihn in den Arm, wartete bis es wieder besser wurde und nur noch die Tränen kullerten. Sie wollte schon fragen was los ist, als er selber anfing zu reden.

Über seine Ex. Wie sehr er sie vermisst. Wie sehr er noch an ihr hängt.

... und das nach dem besten, atemberaubenden Sex den Britta je hatte!

Sie traute ihren Ohren kaum. Doch Dean weinte weiter und kuschelte sich ihn ihre Arme. Was soll man da tun? Irgendwie tat er ihr leid. Andererseits fand sie nicht, dass sie die richtige Person sei, die ihn trösten sollte. Warum datete er sie überhaupt? Besser gesagt; warum datete er sie überhaupt SO? Mit allem drum und dran? Bis anhin machte er keine ich-vermisse-meine-Ex-so-sehr Anstalten. Sie fand den Sex ja auch durchaus emotionsgeladen, aber gleich so? Welche Rolle nahm sie nun ein? Ein Lückenbüsser?

Britta war der Lückenbüsser. All die schönen Dates, die Gespräche, das zuvorkommende Verhalten war eigentlich nicht ihr gewidmet sondern dieser X. Ob er sie sich vorstellte wenn er Britta anschaute? Sie tröstete James Dean, der er es tatsächlich schaffte über eine Stunde zu weinen und verabschiedete sich dann.

Er meldete sich nie wieder.

Sonntag, 4. April 2010

Dating Pt 29 - das X in der BoX

... Aus den Augen aus dem Sinn?

Wenden wir uns einem interessanten Thema zu, dass bei vielen irgendwo in einer Box im Putzschrank, Keller oder Estrich versteckt ist; der Ex.

Nicht irgendein Ex. Es ist DER Ex. Mit ihm hat man eine tolle Zeit verbracht. War vielleicht das erste Mal so richtig doll verliebt. Dieser Ex hat uns Briefe geschrieben, vielleicht einen Freundschaftsring geschenkt. Wir haben seine geschenkten Rosen getrocknet und sorgfältig aufgewahrt. Auf der gemeinsamen Urlaubsreise waren wir soooo verliebt und haben die romantischsten Fotos gemacht. Am Strand, beim Sonnenuntergang, beim gemeinsamen Candle-Light-Dinner. Auf dem Rummelplatz hat er sich mächtig ins Zeug gelegt um eines der kleinen "I love-you-Bärchen" am Schiessstand zu gewinnen und uns zu schenken. Mit ihm haben wir einfach alles gemacht. Die schönsten, wildesten und verrücktesten Konzerte und Filme besucht und natürlich jedes Eintrittsticket behalten. Die Trennung war schmerzlich und wir konnten den Anblick der vielen Beziehungs-Souvenirs nicht mehr ertragen. Es kam also der Tag, an dem wir ihn diese Box steckten. Alles was wir je gemeinsam getan und erlebt hatten, ist in dieser Box.

Warum ich auf diesen Post komme?

Naja... Ein guter Kollege ist gerade dabei, seine Exfreundin zurückzuerobern. Wohlbemerkt; es liegen 10 Jahre zwischen Beziehungsende und diesem möglichen Neustart. Aber er habe eine Box bei ihr. Dies hat sie ihm beim unverbindlichen Hey-was-läuft-bei-dir-so-mittlerweile-Kaffeklatsch mitgeteilt. Es sei nun mal so, wenn man in einer Box sei, dann gäbe es diese Chance auf einen Neustart, lässt er mich wissen.

Ich verstehe nicht ganz und bin überrascht über sein Selbstbewusstsein, das sonst eigentlich nicht so ausgeprägt vorhanden ist. Aber er ist felsenfest überzeugt, dass eine Frau, die DEN Ex in die Box steckt, auch weiterhin bereit sei, diesen möglicherweise nochmals zu daten. Ich denke scharf nach ob ich noch irgendwo in einer Box einen Ex versteckt halte...

Irgendwie machen seine Ausführungen aber Sinn. Der Ex in der Box ist jener, mit dem wir alle kommenden Affären, Freunde und Liebeleien vergleichen. Er wird erst ersetzt, beziehungsweise entsorgt, wenn ein neuer seinen Platz einnimmt. Dies geschieht allerspätestens dann, wenn man mit dem Neuem zusammenzieht, heiratet und davon überzeugt ist, dass dies nun der Mann ist mit welchem man seine Zukunft verbringen möchte. Mitunter auch aus dem Grund, weil man nicht wüsste, wie man die Box seinem Mann erklären soll, falls dieser sie mal findet...

Es ist doch so; endet eine Beziehung im Streit der so heftig und zermürbend ist, dass man diesen Menschen nie mehr wiedersehen möchte und keinesfalls an ihn errinnert werden will, macht man keine Box. Dieser Mann ist für immer gestorben. Es gibt keine Chance auf einen Neustart weil man einfach so dermassen verletzt wurde, dass diese Person nie wieder Bestandteil unseres Lebens sein soll. Mit DEM Ex ist das anders; obwohl am Ende schmerzlich, möchte man die Gefühle und Errinnerungen irgendwo festhalten. Nach einiger Zeit vergisst man es. Die Box ist in der hintersten Ecke des Kleiderschrankes. Man sieht sie nur noch durch Zufall. Zum Beispiel bei einer Altkleidersortierung. Aber sie wird auch dann nicht weggeworfen.

Also muss ich meinem Kollegen recht geben. Auch eine noch so verstaubte Box, die nicht entsorgt wurde, versteckt Gefühle und Errinnerungen die man bisher mit keinem Anderen erlebt hat. Somit bestünde theoretisch wirklich die Chance auf einen Neustart.

Mädels, es ist Zeit für einen Frühlingsputz!

Wenn ihr auf "die" Box stösst, macht sie doch mal auf und geniesst die alten Gefühle beim durchstöbern...

Sonntag, 28. März 2010

Dating Pt 28 - Analyse des Beziehungsstatus

... Willkommen zurück in einer Frauen-Diskussionsrunde!

Letztes Wochenende war eines der Haupttehmen unserer Mitzwanziger-Frauenrunde die Analyse des Beziehungsstatus.

Dank Facebook und anderen Social Network Platformen sind wir ja mittlerweile bestens darüber informiert, wer frisch verliebt, wer getrennt oder bei wem's grad complicated ist. Zwischen all diesen Graden des Beziehungs-Lebenszyklus gibt es aber weit feinere Abstufungen.

Überhaupt sind wir erst darauf gekommen, als Monika stolz verkündete, dass ihr Schatz mit offener Toilettentüre einen abgeseilt hat. Wir haben erst nicht ganz verstanden, was daran (nebst eines ekligen Nachgeschmaks, der sich in der ganzen Wohnung verbreiten kann) so toll ist. Doch Monika schien superhappy zu sein über diese Intimität, die ihr Freund mit ihr teilte. Sie liess uns ausserdem wissen, dass sie ihn sogar dabei beobachten hätte können. Sozusagen freie Sicht auf den Mist hätte sie gehabt. Aber natürlich habe sie nicht so direkt gegafft. Wie auch immer - der Rest der Runde war etwas irritiert, bis Monika weitererzählte;

Monika und ihr Freund sind seit 2.5 Monaten zusammen. Von der ersten Verknalltheit sind sie mittlerweile bei der angenehmen Frisch-Verliebtheit angekommen. Diese Frisch-Verliebtheit zeichnet sich dadurch aus, dass sich Monika mittlerweile überwunden hat, morgens nur mit Unterhose bekleidet ins Bad zu verschwinden. Ihr ist jetzt Wurst, wenn ihr Liebster die mit einer feinen Cellulite bedeckte Hinteransicht in der Morgensonne sieht. Anfangs bedeckt man sowas ja eher noch. Doch mittlerweile hat Monika genug Selbstbewusstsein und Sicherheit, ihn mit diesen Dingen zu konfrontieren. Dasselbe gilt für die Intimrasur. Letzte Woche hatte sie es stressbedingt nicht mehr geschafft, sich vor dem Weekend zu rasieren und wollte das eigentlich bei Ankunft in seiner Wohnung tun. Blöderweise hat er sie dann überrascht, sodass ihm dieser Anblick der tieferen nicht-frisch-rasierten Zone nicht erspart blieb. Aber gesagt hat er nichts. Ist ja normal, dass eine Frau nicht immer wie eine Top-Prostituierte da unten rum frisch rasiert ist, oder? Wenn man erst mal diese Stufe des Verliebtseins erreicht hat, ergeben sich die Dinge viel natürlicher und eine gewisse Gelassenheit macht sich breit. Monika hat dafür nichts gesagt, als ihr Liebster nach einer Sauftour mit Kollegen sich ungeduscht und mit Fahne zu ihr ins Bett kuschelte. Kann ja mal passieren (Ausnahmsweise versteht sich).

Nun zur Toiletten-Story: Sie hätte sich anfangs schon gewundert, warum er die Türe nicht schliesse. Sie würde das auf jeden Fall tun. Erst überlegte sie noch, die Türe selbst zu schliessen, hielt sich aber zurück, weil es ihr irgendwie doch peinlich war. Der Scheisshausbenützer machte seelenruhig sein Geschäft und unterhielt sich dabei noch mit ihr. Keine Spur von peinlicher Berührtheit. 2 Stunden später musste auch sie mal GROSSartig aufs Klo und schloss natürlich die Türe. Da kam er und klopfte an... Hatte er nicht gesehen, dass sie auf dem Klo war? Das (was auch immer es ist) konnte doch warten... also echt!

"Schatz, warum schliesst du die Türe zu? Ich hab doch vorhin auch offen gelassen!"



"Ähhhmmm.... weil ich mal gross muss?"



"Ja und? Findest du nicht wir könnten diese Verklemmtheit langsam überwinden?"

Monika ist baff. Im ersten Moment. Bis ihr klar wird, dass es offenbar einen erweiterten Verliebtheits-Status gibt! Und genau diesen hätten sie nun erreicht.

Sie hielt die Türe aber trotzdem zu, freute sich aber irgendwie, dass diese letzte Hürde nun offenbar genomen wurde - JETZT waren sie ein richtiges, absolut vertrautes Paar.


Wir verstehen langsam. Diese letzte Grenze zur Peinlichkeit hatte Monika und ihr Freund offenbar überwunden. Von nun an war alles ganz natürlich - niemand musste sich für irgend etwas schämen. Da fiel Teresa plötzlich ein, dass auch sie diesen Status bereits erreicht habe; kürzlich hatte ihr Freund ihr die ersten grauen Haare ausgezupft. Ganz gemütlich vor dem Fernseher. Und sie hatte sich überhaupt nicht geschämt dafür. (2 Monate vorher liess sie sich diese jeweils von mir ausziehen und überlegte, sich die Haare von nun an zu färben).

Der dritte (unsichtbare) Beziehungsstatus ist also dann erreicht, wenn die unangenehmen körperlichen Eigenschaften von einem selbst und vom Partner als natürlich und normal betrachtet werden.

... Das war wieder einmal eine Erkenntnis der letzten Frauen-Runde. Was jetzt nicht heissen soll, dass die Jungs ihren Kotgeruch in der ganzen Wohnung verbreiten dürfen oder genüsslich und natürlich auf unser Sofa furzen sollen - Wir freuen uns, dass ihr euch wohlfühlt mit/bei uns. Wirklich. Wir verstehen diese kleinen "Hinweise" auch und können uns darüber freuen. Aber bitte tut es doch auch weiterhin einfach für euch und in abgeschiedener Atmosphäre.

:)

Dienstag, 23. März 2010

Dating Pt 27 - Einmal Volltanken bitte!

... die Geschichte vom unlauteren Tankwart

Meine Freundin Eve ist eine Frau, die so manchem Typen schon den Kopf verdreht hat. Sie hat diesen unschuldigen Gesichtsausdruck, der beim männlichen Geschlecht sofort den Beschützer-Instinkt hervorruft. So ist sie sich ein gewisses Level an Aufmerksamkeit von buhlenden Herren gewöhnt. Was nicht heisst, dass sie es leichter hat – im Gegenteil; selten schafft es einer ihr Interesse zu wecken.

Einer der ziemlich clever war, war Frank. Frank ist Mitinhaber einer Tankstelle mit kleinem Shop. Ziemlich gutaussehend mit klarem, durchdringenden Blick. Wer bei Frank tankt, der wird stets mit einem „wunderschönen guten Morgen“ begrüsst und kriegt ab und zu ein Mini-Schokoladenherz als Dankeschön geschenkt. Franks Zapfsäule liegt auf dem Arbeitsweg von Eve und soll ab der ersten Begegnung mit dessen Inhaber schon bald zu ihrem Dreh- und Angelpunkt des Tages werden.

Frank ist durch und durch Gentleman. Besonders wenn eine schöne Frau wie Eve frühmorgens vorfährt. Sofort greift er zum Schlauch um ihr behilflich zu sein. Eve ist eigentlich durch und durch selbständig, findet es aber süss wie er sie umsorgen möchte. Und weil er so nett ist, legt sie gleich noch eine kurze Rauchpause ein, mit dem Risiko zu spät im Büro zu erscheinen.
Die kleine Rauchpause lohnte sich aber; Frank ist absolut Eve’s Typ. Von diesem ersten Boxenstopp an ist sie nun täglicher Gast an dieser Tankstelle. Sei es frühmorgens für die erste Zigarette oder abends nach der Arbeit für einen kurzen Klatsch im Tankstellen-Lager. Frank ist fürsorglich und aufmerksam. Schenkt ihr einen frühmorgendlichen Red Bull-Energiekick oder einen Sack Herzchenschokolade für den entspannten Fernsehabend. Frank und Eve ergänzen sich. Ein perfekter Start in eine neue Beziehung. Alles läuft wie von selbst – es gibt kein „Oh mein Gott-wie sehe ich heute morgen aus?“ oder ähnlich dumme Gedanken. Es ist, wie es sein muss und fühlt sich richtig an. Natürlich eben.

Da Frank morgens früh raus muss, um um halb sechs den Laden zu öffnen, entwickelt sich zwischen den beiden rasch eine Art Zweckgemeinschaft. Frank bringt ihr spätabends eine Tiefkühlpizza vorbei und Eve fährt ihn (ja, er hat kein Auto) morgens um 5 zur Tankstelle um gemütlich Kaffee zu trinken, bevor auch sie zur Arbeit muss. Eine junge, gut organisierte Beziehung.

Kurz gesagt: Alles lief wie ein gut geschmierter Motor – Eve war verknallt und hatte keine Angst davor. Innerhalb von nur wenigen Wochen hatte sie seine Freunde kennengelernt, übernachtete selbstverständlich bei ihm und führte ein reales Beziehungsleben ohne jegliche Komplikationen. Zwei- bis dreimal pro Woche liess sie Frank seinen Freiraum (sie wollte ja auch nicht immer um 4 Uhr aufstehen) und schlief zuhause. So schön kann die Liebe sein!

Bis zu jenem Samstag – nach rund 6 Wochen Beziehung und gefühlten 10 Jahren des Einander-Kennens. Eve erhielt einen Telefonanruf. Von Erika. Erika wollte sofort, dass Eve zu Frank kam. Doch soviel Eve wusste, war Frank am arbeiten. Erika sei jetzt bei Frank und müsse mit ihr reden. Wer zum Teufel ist Erika?

Erika stellte sich als schwangere Ex von Frank heraus, die ihn eigentlich zurückwollte und er sie auf die Wartebank schob. Erika wollte nun ein für allemal geklärt haben, für wen sich Frank entscheiden wird. Eve – die bis anhin dachte sie führe eine monogame Beziehung - war verständlicherweise irritiert, willigte aber ein, Erika zum grossen Show-down zur Tankstelle zu folgen.

Da waren sie nun. Eine Erika, die ausser sich vor Wut war. Eve, die sich vorkam wie im falschen Film. Frank, der nicht mehr wusste wo hinten und vorne war. Eine Szene wie aus dem schlechtesten Hollywood-Film.

Auch wenn Frank es Eve irgendwann sagen wollte (und man ein gewisses Verständnis entwickeln kann, dass er dies nicht am ersten Abend tun wollte);

WANN ist der richtige Zeitpunkt, über solche, die Gegenwart-betreffende Ex-Geschichten zu sprechen?

6 Wochen zu warten ist wohl etwas zu lang.

Sonntag, 7. März 2010

Dating Pt 26 - Red, red wine & Steffi

Red red wine I love you right from the start Right from the start with all of my heart (lyrics from "Red, red wine" // UB40)

Steffi is back! Und nein, sie ist wirklich nicht erfunden.... Steffi ist hier auf dem Blog die inoffizielle Bad-Dating-Queen. Nachdem sie sich dem zunehmenden Problem von Dating Pt. 6 entledigt, die Viren entsäubert (Dating Pt. 19)und die Ü-25-Filterbrille abgelegt hat (Dating Pt. 20 ), versucht sie die Welt der Männer klar und ohne Zwischenglas zu erkunden.

Affären. Sind nett, unkompliziert und erfrischend. Bis sich meist einer von beiden verliebt. Dann wirds anstrengend und nervig. Schön wenn es erst gar nicht dazu kommt.

So wie bei Steffi - die sich mittlerweile einen Literaturprofessor angelacht hat. Einer, der irgendwie leicht durchgeknallt ist, sich gerne in seinem Kämmerchen verzieht um sich stundenlang mit irgendwelchen Gedichten auseinanderzusetzen und unglaublich gut im Bett ist. Das soll ja die Hauptsache sein. Bei Affären, versteht sich. Alles andere ist mehr oder weniger nicht relevant. So stört es Steffi auch nicht, dass der Literaturprofessor des öfteren einen über den Durst trinkt. Solange er es nicht in ihrer Gegenwart tut, stört es sie nicht. Sie merkt es eigentlich nur, wenn sie den Professor in seinem Kämmerchen an einem Sonntag besucht, und dort auf dem Arbeitstisch mehrere entleerte Flaschen Hochprozentiges und vor allem Rotwein steht. Schwamm drüber - Hauptsache er bringt ihn noch hoch.

Am letzten Samstag lud sie ihn zum ersten Mal zu sich nach Hause ein. Gemeinsames Kochen war angesagt und dann natürlich der obligate Bombensex. Diesmal hatte sie auch keine Bedenken, ihn mit nach Hause zu nehmen. Schliesslich kannten sie sich nun schon etwas länger und das Professoren-Kämmerchen war wirklich nicht gerade berauschend, was das Ambiente betraf...

Der durchgeknallte Professor trudelte mit einer halbstündigen Verspätung ein. Aber Steffi regte sich darüber nicht sonderlich auf. War ja nur eine Affäre. Heute wollte sie sich entspannen. Einfach nur sie, er, gutes Essen, ein Glas Rotwein und Sex ohne dabei die ganze Zeit gegen verstaubte Bücher zu knallen. Zum Glück hatte sie mehr oder weniger schon alles für das Kochen vorbereitet, denn Herr Professor schaffte es kaum, den Reis umzurühren. Seine Bewegungen wirkten mehr als unkontrolliert. Wahrscheinlich vom Apéro, an dem er vorher war. Ein Glässchen zuviel getrunken. Er roch auch schon etwas dunstig... Angestrengt stützte er sich auf die Küchenablage. Es schien, als klappe er gleich zusammen. Schnell Füttern den Tiger, dachte sie sich und gab Gas.

Nach dem Essen wirkte er dann auch schon etwas ruhiger und sie konnten eine einigermassen gepflegte Unterhaltung führen. Über irgend ein Gedicht. Der Professor faselte von der Bedeutung und der Tiefe der Aussage. Steffi konnte nur mühsam folgen und konnte nicht einordnen, ob er wirklich so dermassen fasziniert von diesem Gedicht war oder einfach nur besonders ausführlich erzählte, weil er einen sitzen hatte. Schliesslich entschied sie sich, dass nun die Phase des Smalltalks vorbei war und huschte kurz ins Schlafzimmer um Kerzen anzuzünden...

Sie liess den Professor nicht mal fünf Minuten alleine, schon hörte sie, wie etwas laut reierte in ihrem Wohnzimmer. Es war nicht ein "ich-schäme-mich-und-unterdrücke-die-Lautstärke"-Reiern, sondern ein richtiges "ich-fühle-mich-zu-Hause-Vollgas"-Reiern. Entstetzt eilte sie zurück ins Wohnzimmer, wo er sich gleichzeitig ins Badezimmer verschwand um nochmals eine ordentlich, laut hörbare Entleerung des Magens vorzunehmen. Steffi starrte entgeistert auf ihr hellbeiges Sofa.

Es war rot. Und die vor 5 Minuten gerade entkorkte Rotweinflasche auf dem Wohnzimmertisch war leer. Deren Inhalt erstreckte sich über das Sofa verteilt und eine Spritz-Spur führte dem Boden entlang Richtung Bad. Ihr blankes Entsetzen unterdrückte ihren Brechreiz, während sie der Spur folgte. Professor Rotwein hatte gerade fertiggereiert und stand im Türrahmen. Auf seinem Hemd noch einige Spritzer Roten. Er lächelte. Steffi lächelte nicht. Sie huschte an ihm vorbei, befeuchtete den Putzlumpen und drückte ihm diesen in die Hand. Professor Rotwein konnte nicht ganz folgen und schaute sie fragend an. "Aufputzen, hier!", befahl sie und deutete auf den Boden. Sie selbst rauschte in die Küche und holte Salz und Mineralwasser, mit dem sie versuchte die Flecken aus dem hellen Sofa zu ziehen. Der Professor legte den Putzlappen auf den Boden und stand mit einem Fuss darauf um ein bisschen über die Bodenplatten zu zirkeln, was natürlich die rote Sauerei noch mehr verschmierte anstatt sie zu entfernen. Nach ein bisschen Fusswischen empfand er seine Putzerei dann auch als vollendet, obwohl sie es offensichtlich nicht war. Rotweinspuren erstrecken sich über den ganzen Wohnzimmer- und Entréebereich. Aber der Professor war zufrieden und setzte sich auf das unbefleckte Sofateil. Steffi war nun richtig sauer und entschied aufgrund ihrer Vorgeschichten (siehe vorhergehende Posts), den Mann sofort aus der Wohnung zu bringen, anstatt ihm noch ein Ausnüchterungscamp zu bieten. Dieser empfand es nicht als Akt des Abschiebens, nein - es fiel ihm ein, dass er noch "einen schnappen" könne in der Hirschen-Bar, die ja auf dem Weg liege.

So kam es, dass Ikea am darauffolgenden Tag 4 neue Kissen und einen Sofa-Überzug verkaufte. Und Steffi ist jetzt Inhaberin einer Ikea-Family Card.

Sonntag, 28. Februar 2010

Dating Pt 25 - Vollgas bekocht, verliebt und abserviert

....vom Feinschmecker-Engel, der nichts anbrennen lässt.

Eine auf diesem Blog ungewohnt traurige Geschichte. Die sich aber wohl täglich irgendwo da draussen abspielt. Nochmals Danke an Dora, die mir via FB den Input zustellte...

Dora ist gemäss eigener Beschreibung eine Frau, die man eher der Sorte zynisch-realistisch zuordnen darf. Wie jede andere Mitzwanziger-Frau hat sie auf ihrem Weg schon die einen oder anderen Idioten kennen- (und lieben) gelernt. Jedenfalls ist es Dora in der Vergangenheit schmerzhaft bewusst geworden, dass gute Männer rar gesäht sind.

So hält sich der Enthusiasmus denn auch in Grenzen, als sie an einem Geschäftsanlass (da haben wir's schon wieder...) Raphael kennenlernt. Gibt es nicht den Engel Raphael? Jedenfalls sah dieser hier ganz so aus. Genau ihr Geschmack. Man kommt kurz ins Gespräch - Apéros sind aber auch immer eine so furchtbar steife Angelegenheit - und ist sich sympathisch. Am nächsten Tag schreibt Raphael ihr eine E-Mail. Ob sie Lust habe auszugehen am nächsten Wochenende. Dora hatte schon Lust, rechnete sich aber nicht einen allzu erfolgsversprechenenden Abend aus.

Sie irrte sich. Raphael hielt was er verspricht- ein vollkommen anderes männliches Wesen als bisher je kennengelernt - sass ihr gegenüber. Er war witzig, einfühlsam, ehrlich, intelligent und sah super aus! Konnte das denn wahr sein? Sie kriegte ihr Essen kaum runter, so fasziniert war sie. Es passte einfach alles zusammen.

Offenbar ging es Raphael auch so. Nach ein paar weiteren Dates, an denen er sie ausgiebig bekochte und sie sich bedienen lassen konnte war klar, dass sie zusammengehörten. Sie hatte sich total verliebt. Erst recht, als Dora Zweifel ankündigte bezüglich des Tempos, dass sie anschlugen und er diese widerlegte. Er habe genauso Angst wie sie, habe aber noch nie so eine Frau wie sie kennengelernt und er sei total verrückt nach ihr.

Nach einer Woche (!) wollte er sie bereits seinen Eltern vorstellen und fügte an, dass er das wirklich nur tue, weil er sich total sicher mit ihr fühle.

Eine weitere Woche später wurde sie bei einem gemeinsamen Essen, dass er zubereitete, seinem Freundeskreis vorgestellt. Er sei sich noch nie so sicher mit einer Frau gewesen.


DORA WAR TOTAL VERKNALLT!

Welcher Mann zeigt denn so brandehrlich seine Gefühle? Klar gings etwas schnell, aber wenn beide das gleiche fühlen, geht das doch in Ordnung. Oder?

Nach insgesamt drei Wochen Beziehung war sich Raphael sicher, dass sie eines Tages heiraten werden. Er wolle nie mehr eine andere Frau. Er fragte sie auch ernsthaft, ob sie dann später seinen Namen annehmen werde. Dora fands einfach nur süss und musste schmunzeln.


Auch als er ein paar Tage später vorschlug, dass sie zusammenziehen sollten, erschien es ihr sicherlich überstürzt. Aber die Art wie er es ansprach und sie ansah, hatte so was Ehrliches an sich. Sie war einfach nur hin und weg von seiner Offenheit. Dies war also die pure, die wahre Liebe. Warum sollte man sie verstecken? Wenn es DAS war, dann sollte man es doch einfach leben und geniessen. Oder?


Nicht, dass er nur sie verzauberte. Er schickte ihr Blumen und Kärtchen ins Büro, sodass alle Arbeitskolleginnen Tränen der Rührung in ihren Augen hatten. Dora konnte ihr Glück kaum fassen. Es ist eben so, wie man es immer erzählt: Wenn der Richtige kommt, dann merkt man das schon. Und Raphael war definitiv der Richtige für sie.
Und da er nun mal ihr Mister Right war, konnte sie auch darüber hinwegsehen, dass er ein gemeinsames Date absagte mit dem Grund, dass er lieber Simpsons und Two and a half Man im TV schauen wollte. Obwohl sie sich schon innerlich bewusst war, dass sie offenbar mit einem TV zu konkurieren hatte und den Kampf an diesem Abend verlor. Dies passierte wiederum eine Woche später. Aber man musste ja auch nicht 24 Stunden aneinander kleben. Schliesslich hatte man noch das ganze Leben vor sich. Oder?

Der anfängliche Sturm der grossen Liebe legte sich etwas; Anrufe und SMS pendelten sich auf ein tieferes Kontaktniveau ein. Das musste aber nicht heissen, das der grosse Sturm nur ein frisches Lüftchen war. Oder?

Dora beschloss, die spärliche Kontaktaufnahme beim nächsten Essen anzusprechen. Der Engel Raphael war gerade dabei den Fisch in der Küche zu präparieren, als sie sich mit einem Glas Rotwein zu ihm gesellte. Sanft und beinahe nebensächlich versuchte sie das kritische Thema witzig verpackt anzusprechen. Keine Reaktion. Raphael widmete seine Aufmerksamkeit lieber dem Fisch, den er zu entgräten versuchte. Dora nippte an ihrem Weinglas und starrte auf das tote Stück Meeresbewohner und fühlte sich genau so. Sie fühlte sich ausgenommen. Zerteilt. Als würde diese Wolke (ok, der Rotwein wirkte mit) der Liebe so langsam zerplatzen. Vielleicht war ihre Ansprache nicht verständlich für ihn. Sie versuchte es also klarer - fragte, ob zwischen ihnen noch alles OK sei. Eine normale Frage eigentlich. Nicht für den Todesengel Raphael. Dieser schmiss den halbentgräteten Fisch in den Abfluss, starrte sie entgeistert an und eilte schnurstracks aus der Wohnung.

Da stand sie nun. Sie, der Wein und der halbentgrätete Fisch.

Fassungslosigkeit machte sich breit. WAS? WAS zum Teufel läuft hier falsch? Es fühlte sich an wie ein böses Erwachen aus einem wunderschönen Traum. Mit Hilfe des Weins spulte sie die ganze (kurze), intensive Beziehung nochmals durch. War ihr irgend etwas durch die Lappen gegangen? Hatte sie irgend etwas nicht mitgekriegt? Hatte sie was falsch gemacht? War sie eventuell zu klettenhaft? Nein. Er war die Klette. Oder?

Eine Stunde später, SMS von Raphael: Ich komme nicht nach Hause. Muss etwas zur Ruh kommen. Warte nicht auf mich.

Das hatte sie auch nicht vorgehabt. Aber Wein machte ihr einen Strich durch die Rechnung - keine Chance, in diesem Zustand nach Hause zu fahren. Sie kuschelte sich also aufs Sofa, trank fleissig Wasser und wartete bis zum frühen Morgen, bis sie sich schliesslich traute nach Hause zu fahren.

Raphael meldete sich nicht mehr. Und Dora weinte. Weinte wie eine 13-jährige, der zum ersten Mal das Herz gebrochen wurde. Und es tat wieder genauso weh. Obwohl man sich doch vornimmt, das einem das nie nie wieder passiert. Obwohl man es besser wüsste; es gibt nur das hier und jetzt und keine Aussicht auf eine Ende dieses Schmerzes - es tat einfach nur weh und sie verstand es nicht.

Eine Woche später traf sie sich mit ihm in einem Café in der Stadt. Auf neutralem Boden. Sie weinte. Er weinte auch. Und machte Schluss. Ohne Grund. Es gehe einfach nicht und er wisse nicht wieso. Aber er wollte unbedingt mit ihr befreundet bleiben, sie sei ein sehr wichtiger Mensch in seinem Leben, den er nicht verlieren wollte.

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Seit diesem klärenden Gespräch hatte Dora nichts mehr gehört von Raphael. Der Mann, der sie ursprünglich heiraten wollte und der Kinder mit ihr haben wollte hatte tatsächlich alles hingeschmiessen. Die ganzen Pläne, ihr gemeinsames Leben.

Bis auf gestern. 1:00 Uhr am frühen Morgen. Der Engel Raphael schickte eine SMS: Es gibt so einiges, dass ich vermisse baby. Bevor sie überhaupt antworten konnte kam 8 Stunden später wieder eine Nachricht: Sorry für die SMS. Ich war einfach soooo scharf. Tut mir leid. Mit uns geht es sicher nicht weiter, da bin ich mir sicher.

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Dora ist nun wieder da, wo sie vor Raphael schon war. Sie hatte wieder einmal gelernt, dass Vertrauen schmerzhaft sein kann. Und so trägt jeder der nach der Liebe sucht, seinen ganz eigenen Rucksack der Skeptik und des Schmerzes mit sich herum. Diesen abzulegen fällt uns wohl mit zunehmendem Alter immer schwerer. Und nur wer es auch tatsächlich schafft, sein Verhalten nicht dem Inhalt seines Rucksackes anzupassen, der wird sich wohl überhaupt nochmals volle Kanne verlieben können. Mit dem Risiko, einen weiteren Stein mit sich herumzutragen müssen.

Was helfen könnte, wäre Ehrlichkeit.

Raphael beispielsweise hätte einfach nur sagen können, dass er nur Sex möchte. Oder?